Digitale Speditionen und Logistik Marktplätze - Algorithmen und Marketing für den klassischen Frachtspeditionsdienst

von Rahel Strupp

Logistische Prozesse der Frachtspeditionsdienste

Frachtspeditionsdienste werden mit der Organisation des Warentransports beauftragt und bieten zusätzliche logistische Prozesse an, wie z.B. Verzollung und Lagerhaltung, die bei der Transportabwicklung anfallen. Sie selbst besitzen hierfür keine Schiffe oder Flugzeuge. Das Speditionsgewerbe ist zu einem Großteil ein Vermittlungs- und Organisationsgeschäft: Die Aufgabe der Spediteure, die Planung und Koordination des Warentransports ist von der physischen Bewegung der Güter getrennt. Dies übernimmt der Frachtführer. Auf der Straße ist dies der Transportunternehmer, auf dem Seeweg die Reedereien, und in der Luft die Airlines. Doch spätestens seit AirBnB und Uber wissen alle, dass sich die Logistikprozesse der Frachtspeditionsdienste sehr gut digitalisieren lassen.

Eine Reihe von Startups haben begonnen die Digitalisierung in der Logistik voranzutreiben. Sie haben digitale Speditionen oder Logistik Marktplätze à la Amazon etabliert, und setzen den klassischen Logistik Speditionen massiv zu. Was aber unterscheidet die neuen Herausforderer von den etablierten Playern?

Algorithmen und Software dringen in die Supply Chain Prozesse vor

Algorithmen erledigen immer mehr der Supply Chain Prozesse, die vorher Speditionskaufleute mit Hilfe ihres reichen Erfahrungsschatzes und manuellen Prozessen leisten konnten. Dabei können Kunden Preise nun online abfragen und ihre Transporte abwickeln, ohne telefonieren und E-Mails schreiben zu müssen. Die Systeme der Carrier, Airlines, Transporteure und Zollstellen werden per Schnittstelle angebunden und Algorithmen fragen automatisch relevante Daten binnen Sekunden ab. Kunden bekommen basierend auf diesen Informationen ein konkretes Angebot angezeigt und können den Transport buchen. Auch das Transport Management erfolgt dann online.

Internationale Speditionen bei der Logistik Digitalisierung noch im Rückstand

Auch internationale Speditionen setzen bei der Anbindung der Airlines und Reedereien bislang stark auf Excellisten und Telefonkommunikation. Durch diese manuelle Form des Datenaustausches können sie Preise und Angebote nur langsam ermitteln. Das Erstellen von Transport Angeboten basiert auf unvollständigen Informationen, sodass Angebote möglicherweise nicht schnell genug bzw. nicht kundenoptimiert erstellt werden. Die elektronische Anbindung von Airlines und Reedereien sowie die Angebotserstellung durch Algorithmen hat klare Vorteile bzgl. der Geschwindigkeit und Passgenauigkeit für die Kunden.

Online Spedition bei digitalen Logistikprozessen im Vorteil

Online Speditionen, wie beispielsweise Flexport oder Freighthub, haben sich in den letzten Jahren als Alternative zu klassischen Frachtspeditionsdiensten, wie Kühne & Nagel oder Schenker, positioniert. Sie haben die schwache Digitalisierung in der Logistik erkannt und ihre Logistikprozesse von Anfang an mithilfe von Software und Algorithmen aufgebaut. Dies ist ein klarer Vorteil zu klassischen Spediteuren, die meist bereits vor Jahrzehnten gegründet wurden und folglich ihre IT-Systeme und Software im laufenden Geschäftsbetrieb umbauen und modernisieren müssen. Die online Speditionen haben hier den klaren Vorteil, dass sie keine alten Logistikprozesse mit sich herumtragen und so keinen Verlust von Kunden und Umsatz befürchten müssen. Sie hatten die Möglichkeit ihre logistischen Prozesse und Strukturen mithilfe von neuester Softwaretechnologie zu entwerfen, und so die Geschäfte der etablierten Speditionen direkt anzugreifen.

Marketing als wichtiger Bestandteil von digitalen Speditionen und Logistik Plattformen

Die hohe Aufmerksamkeit, welche die online Speditionen bekommen, liegt auch an ihrem guten Marketing und geschickter Kommunikation. In weiten Teilen unterscheiden sich die Angebote der digitalen und klassischen Speditionen nicht wesentlich voneinander. Die Speditionslieferung, die verladende Unternehmen in Anspruch nehmen können, ist mehr oder weniger fast identisch. Allerdings haben es die digitalen Speditionen sehr gut verstanden die Schwächen ihrer Wettbewerber, nämlich die geringe Digitalisierung ihrer Logistikprozesse, hervorzuheben. So haben es die “neuen” digitalen Speditionen wie Flexport oder Freighthub geschafft, sich als fortschrittliche Modernisierer einer alten Branche darzustellen, die noch ausschließlich mit E-Mail, Telefon, Fax und Excel arbeitet. Diese Darstellung wirkt bei genauerem Hinsehen jedoch überspitzt und unzutreffend. Gerade die großen internationalen Speditionen haben in den letzten Jahren massiv in ihre IT-Systeme investiert und wollen damit den Online Speditionen Konkurrenz machen. Es bleibt abzuwarten, ob dies auch zeitnah von den verladenden Unternehmen bzw. der Öffentlichkeit registriert wird.

Größte Speditionen der Welt starten Digitalisierung der Logistik

Viele der größten Speditionen der Welt wurden zu Zeiten gegründet, als es noch nicht einmal Computer gab und Telefonate umgerechnet mehrere Euro pro Minute kosteten. Im Laufe der Zeit etablierten sich neue technische Möglichkeiten. In den letzten Jahrzehnten spielten Excellisten und Telefone in den wertschöpfenden Prozessen der Speditionen eine immer größere Rolle. Doch seit einigen Jahren investieren viele der großen internationalen Speditionen massiv in den Ausbau ihrer IT-Systeme. Dies ist notwendig, um auch Airlines und Reedereien in ihre komplexen Angebotsstrukturen einzubinden. Haben Speditionen ein weltweit einheitliches IT-System, ist auch der Schritt zu automatisierten Prozessen nicht mehr weit.

Zuletzt haben viele der klassischen Speditionen auch Tools, Plattformen und Portale aufgebaut, auf denen Kunden online Frachtanfragen stellen und Fracht buchen können. Dank diesem Leistungsumfang werden die großen Speditionen zu digitalen Speditionen.

Nachteile von Buchungen über Online Speditionen

Für einige Transporteure und Frachtführer bedeutet eine solche Online-Buchung, dass sie die Möglichkeit bekommen ihre Kapazitäten mit geringem Aufwand auf Online-Plattformen anzubieten, und den dabei bisher üblichen Aufschlag für Vermittlung zu reduzieren.

Während mittlerweile sogar manche traditionellen Speditionen ihre Transport Angebote online vergleichen, bleiben viele Versender kritisch. Ein großer Nachteil des Online-Prozesses ist, dass er keinen Raum für individuelle Preisverhandlungen lässt. Die Erfahrung zeigt, dass vor allem in Fällen von bestehenden Geschäftskontakten, persönlich ausgehandelte Angebote fast immer preislich vorteilhafter waren, als die in Online-Vermittlungen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Komplexität der Transportaufträge. Online-Buchungen funktionieren bei simplen Dienstleistungen meist einwandfrei. Bei Logistikprozessen, die über normale Transporte und Lagerungen hinausgehen, braucht es aber oft fachspezifisches Know-how, um gut geeignete, funktionierende Logistiklösungen zu finden.

Geringe Effizienz durch Vielzahl von Logistik Plattformen

Verlader können mittlerweile fast bei allen “klassischen” oder „digitalen“ Speditionen online Angebote einholen. Allerdings ist die schiere Anzahl an Portalen und Logistik Plattformen ein großes Problem. Das Stellen von Angebotsanfragen wird damit fast genauso ineffizient und unhandlich wie mit Hilfe von Excel und Telefon Angebote bei den Frachtspeditionsdiensten einzuholen.

Kontrolle über eigene Kontakte und Supply Chain Prozesse

Für viele Verlader ist es dazu sehr wichtig, die Kontrolle über die Beziehung mit ihren Logistikpartnern und die eigenen Supply Chain Prozesse zu behalten. Niemand will sich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu einer einzelnen Spedition begeben, die dann allmählich die Preise erhöht. Auch in eine operative Abhängigkeit zu einem Logistikdienstleister zu geraten möchten Verlader vermeiden. Deshalb wird es für sie immer notwendig sein, mit mehreren Speditionen in Kontakt zu bleiben, egal ob online oder klassisch.

Logistikprozesse effizient und gesund digitalisieren dank Websoftware

Für Unternehmen ist Websoftware eine gute Möglichkeit Logistikprozesse zu digitalisieren. Verlader können dabei sehr effizient Angebotsanfragen bei ihren Frachtspeditionsdiensten und Online Speditionen stellen und die Angebote voll automatisiert vergleichen. Verlader behalten die volle Kontrolle über den Angebotsprozess, ohne sich von einer einzelnen Logistik Plattform oder einer „digitalen“ Spedition abhängig zu machen. So profitieren sie von innovativer Technologie, und können Logistikprozesse effizient gestalten, um Zeit und Geld zu sparen. So kann die Digitalisierung der Logistik gelingen.

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