Angebotsvergleiche auf dem Markt für Luftfracht und Seefracht

Transportkostenvergleich für verschiedene Angebote

Marktsegmente

Der  Markt für Luft- und Seefrachttransporte besteht im Wesentlichen aus sechs verschiedene Angebotsarten. Angebote für Luftfrachttransporte beziehen sich immer auf Stückgutsendungen, während bei Seefrachttransporten zwischen Less‑Container-Load (LCL) und Full-Container-Load (FCL) unterschieden wird, also Stückgutsendungen und ganzen Containern. Sowohl Luft- als  Seefrachttransportangebote werden dazu auf zwei weitere Arten unterschieden. Es gibt sogenannte Spot-Angebote, die sich auf konkrete Sendung beziehen und Raten‑Angebote. Letztere sind eine Art Rahmenvertrag, der für eine gewisse Zeit gültig ist, und z.B. kg-Preise, sogenannte Rates (eng.), beinhaltet, aus denen sich konkrete Sendungskosten errechnen lassen.

Für das Einholen und Vergleichen von Transportangebote gibt einige Angebote zwischen denen Unternehmen, die auf Transportdienstleistungen angewiesen sind, auswählen können. Im Folgenden werden diese sehr verschiedenen Dienstleistungen vorgestellt und Vor- und Nachteile beleuchtet.

Frachtenberater

Die Beauftragung von Frachtenberatern ist eine Möglichkeit für Versender, Transportangebote zu erhalten und vergleichen zu lassen. Frachtenberater entwickeln in der Regel Excel-Vorlagen, die von Logistikdienstleistern für Angebotszwecke verwendet werden müssen, oder sie fassen einfach die Daten der Logistikanbieter-Angebote in individuell entwickelte Vorlagen zusammen bzw. harmonisieren sie. Dadurch können die Berater die verschiedenen Transportangebote vergleichen und den Versendern Empfehlungen geben, mit welchen Logistikdienstleistern sie zusammenarbeiten sollten. Ein zweiter Ansatz von Frachtenberatern besteht darin, Transporte auszuschreiben. Das Ausschreibungsverfahren umfasst üblicherweise die in der folgenden Tabelle aufgeführten Schritte. Logistikdienstleister, die an einer Ausschreibung teilnehmen, sind in der Regel größere Unternehmen, da sie das Know-how für die Abwicklung einer Ausschreibung benötigen und auch die damit verbundenen finanziellen und rechtlichen Risiken tragen können müssen. In der Regel werden solche Frachtenberater von größeren oder mittelgroßen Versendern beauftragt.

Schritt Beschreibung
RFI (request for information) Logistikdienstleister stellen ihre Unternehmensstruktur vor
RFP (request for proposal) Logistikdienstleister erläutern ihr Logistikkonzept
RFQ (request for quotation) Logistikdienstleister sind aufgefordert Preise abzugeben

 

Kleinere Frachtberater, die ein Büro mit ein oder zwei Mitarbeitern haben, sind für regionale Versender aktiv, größere Frachtberater arbeiten auf Länderebene. Ihre Preisgestaltung ist in der Regel ein Prozentsatz der erzielten Preissenkung oder eine vertragliche Gebühr für Beratungsleistungen.

Ausschreibungsplattformen

Ausschreibungs- bzw. Tenderplattformen arbeiten üblicherweise im Bereich langfristiger Preisvereinbarungen und verwenden Excel-Tabellen, die von den Logistikdienstleistern ausgefüllt und online hochgeladen werden müssen. Versender und Logistikdienstleister müssen sich dazu auf den Plattformen registrieren. Das Ausschreibungsverfahren entspricht denen obiger Tabelle dargestellten Schritten. Technisch und inhaltlich sind diese Dienste bereits ausgefeilter, als die Dienste der Frachtenberater. Die Dienste funktionieren häufig als Webapplikation und können z.B. eine große Anzahl von Tradelandes, Kostenposten und anderen Spezifikationen abdecken. Weitestgehend größere Unternehmen nutzen Ausschreibungsplattformen, die in der Regel international ausgerichtet sind.

Ausschreibungsplattformen werden häufig auch als Market- oder Bid-Down-Plattformen bezeichnet, bei denen der Schwerpunkt auf der Senkung der Transportpreise liegt. Qualitätsaspekte in der Transportabwicklung sind sekundär, obwohl sie offiziell in das Ausschreibungsverfahren einbezogen sind. Tenderplattformen werben dafür, dass Logistikdienstleister auf ihrer Plattform um Transportaufträge konkurrieren können. Außerdem bewerben sie ihre Dienste indem sie Versendern anbieten, Logistikanbieter zur Ausschreibung einzuladen, die diese noch nicht kennen.

Buchungsplattformen

In dieser Gruppe finden sich verschiedene Konzepte. Sie alle haben gemeinsam, dass sie die Schnittstelle zwischen Versender und Logistikdienstleister darstellen und diesen in seiner Rolle ersetzen. Diese Gruppe konzentriert sich im Gegensatz zu Frachtenberatern und Ausschreibungsplattformen verstärkt auf das Spot-Segment für Einzelsendungen. Versendern wird ermöglicht, Transportanfragen und ‑buchungen direkt über ihre Plattform abzuwickeln. Mit ihren Diensten werden Plattformen teilweise selbst zum Logistikdienstleister und ersetzen klassische Logistikdienstleister im Wesentlichen.

On-Site Lösung Versender

Hierbei handelt es sich um Eigenlösungen von Versendern. Sie kommen teilweise in großen Unternehmen zum Einsatz, die über eine eigene Logistikabteilung, mit entsprechendem Transport-Know-how verfügen. Diese Versender haben sehr konkrete Vorstellungen davon, welche Kostenpositionen ihre Transportangebote enthalten sollten und welche nicht, und wie ihre Transportangebote strukturiert sein sollten. Sie entwickeln dann eigenständig Angebotsvorlagen und geben den Logistikdienstleistern diese für Angebotszwecke vor. Normalerweise sind diese Vorlagen Excel basiert, die sich teilweise auch mit einer Datenbank verbinden können. Diese Werkzeuge sind technisch teilweise sehr ausgereift und können den Angebotsprozess für Versender effizient machen.

Tailor-Made IT-Lösungen

IT-Unternehmen bieten dem Versender maßgeschneiderte, im jeweiligen Unternehmen zu installierende IT-Lösungen. Diese Tools können als Schnittstelle zwischen der IT-Infrastruktur von Versendern und Logistikdienstleistern fungieren. Die Lösungen sind hochpreisig, nur von sehr großen Unternehmen finanzierbar, und sind selten im Bereich der Einholung von Luft- und Seefrachtangeboten zu finden.

Digitale Speditionen

Digitale Speditionen werden regelmäßig als Variante genannte Transportangebote zu erhalten. Auch wenn digitale Speditonen den etablierten Logistikdienstleistern in Sachen Digitalisierung voraus sind, so handelt es sich bei ihrem Angebot um klassische Speditions- und Transportdienstleistungen. Bei digitalen Speditionen handelt es sich also nicht um eine neutrale Instanz, die es Unternehmen ermöglicht Luft- und Seefracht Transportangebote unabhängig und objektiv einzuholen und zu vergleichen.

Digitale Angebotstools von Logistikdienstleistern

Klassische Logistikdienstleister, Speditionen, Airlines und Reedereien digitalisieren derzeit ihre Prozesse. Auch wenn diese Unternehmen ihre Angebote im Regelfall noch per Excel, PDF, Email zur Verfügung stellen, gibt es erste Ansätze, Versendern Transportangebote auch digital zukommen zu lassen. Dies passiert entweder über digitale Angebotstools auf der Website oder eigenständige Plattformen. Auch in diesem Fall handelt es sich lediglich um eine veränderte Form der Angebotseinholung von einem Partner. Es ist aber keine Dienstleistung, die es Unternehmen ermöglicht Luft- und Seefracht Transportangebote unabhängig von mehreren Partnern einzuholen und objektiv zu vergleichen.