Wie Unternehmen heute dank Webanwendungen unabhängig Frachtkosten berechnen und vergleichen können

von Johannes Wählisch

Transportangebote, manchmal auch Frachtofferten genannt, sind für Verlader und Importeure oft nicht einfach zu vergleichen. Frachtkosten basierend auf den Excel- und PDF-Angeboten der Speditionen zu berechnen, ist meist schwierig und zeitintensiv. Das liegt an der Art und Weise wie Transporte organisiert werden und wie Verlader, Speditionen, Carrier, Airlines und andere Transportunternehmen zusammenarbeiten.

Frachtkosten für Teilabschnitte eines Transports

Der Versand einer Sendung beginnt mit der Abholung, dem sogenannten Vorlauf (engl. Door-Port), bevor sie im Hauptlauf (engl. Port-Port) über längere Strecken per Luft- oder Seefracht transportiert wird. Enden tut der Transport mit der Zustellung beim Empfänger. Die Strecke vom Flug- oder Seehafen zum Empfänger wird Nachlauf (engl. Port-Door) genannt. Empfänger und Versender legen beim Kauf bzw. Verkauf der Ware fest, wer die Frachtkosten für welchen Teilabschnitt des Transports übernimmt. Dies geschieht mithilfe sogenannter Incoterms (International Commercial Terms).

Frachtzahler geben den Transportmodus vor

Frachtzahler entscheiden in der Regel über die Transportart bzw. den Verkehrsträger. Sie wählen dabei, ob die Fracht per Flugzeug oder Schiff verladen werden soll. Sie entscheiden auch darüber, wie die Strecke vom Abholort zum jeweiligen Flug- oder Seehafen zurückgelegt werden soll. Die Abholung bzw. Zustellung bei Luftfrachten erfolgt jedoch fast ausschließlich per LKW. In der Seefracht kommt neben dem LKW auch die Bahn, das Binnenschiff oder kombinierter Verkehr in Frage.

Speditionen bzw. Logistikdienstleister organisieren den Transport

Die Frachtzahler bzw. Versender beauftragen dann im Normalfall einen Logistikdienstleister bzw. eine Spedition, um den Transport zu organisieren. Diese übernehmen ggf. außerdem dazugehörige Tätigkeiten wie z.B. Verpacken, Dokumentenerstellung, Zollabwicklung und Lagerung. Für den Vorlauf, Hauptlauf und Nachlauf, also die konkrete Beförderung der Sendung, setzen die Speditionen wiederum andere Unternehmen ein. Dabei handelt es sind um LKW-Transporteure, Bahnbetreiber oder Binnenschiffer. Im Hauptlauf übernehmen Fluggesellschaften und Reedereien die Beförderung.

Zusammensetzung der Frachtkosten unklar

Den Speditionen kommt dabei eine spezielle Rolle zu. Sie kaufen Frachtkapazität bzw. diverse Transportdienstleistungen bei Reedereien, Airlines und Transporteuren ein und verkaufen sie mit einer entsprechenden Marge an ihre Kunden, die Frachtzahler. Kompliziert ist das Ganze, da sich die Einkaufskonditionen der Spediteure sehr stark voneinander unterscheiden. In der Regel erhalten Speditionen nicht einfach Frachtkosten pro Kilogramm oder Tonne, sondern es werden bis zu 50 verschieden Kostenpunkte aufgeführt. Die Bekanntesten sind sicherlich Bunker-Adjustment-Factor (BAF), Currency-Adjustment-Factor (CAF) in der Seefracht oder Treibstoff- und Sicherheitszuschlag in der Luftfracht. Die Angebotspositionen bzw. Kostenpunkte unterscheiden sich dann je nach Fahrtgebiet, Carrier und Airline. Die Angebote, welche die Speditionen erhalten sind damit nicht selten auch für Logistikexperten schwierig zu verstehen.

Berechnungsgrundlagen erschweren es zusätzlich Frachtkosten zu berechnen und zu vergleichen

Verkompliziert wird eine einfache Berechnung von Frachtkosten und ihr Vergleich dadurch, dass die diversen Angebotspositionen und Zuschläge nicht nur nach tatsächlichem Gewicht gültig sind. Abrechnungsbasis kann auch das sogenannte Volumengewicht sein, ein fiktives Gewicht je Kubikmeter. Das jeweils höhere Gewicht nennt man dann frachtpflichtiges Gewicht, welches abgerechnet wird. Häufig gilt für jede Kostenposition eine andere Berechnungsgrundlage.

Vereinfachende Beispiele für Gewichts- Volumenverhältnis bzw. frachtpflichtiges Gewicht:

Landverkehr: 1 Kubikmeter = mind. 200 kg

Luftfracht:  1 Kubikmeter = mind. 167 kg

Seefracht Stückgut: 1 Kubikmeter = mind. 1 Tonne

Logistikdienstleister verkomplizieren Angebote und überlassen Verladern das Risiko

Der Einkauf von Transporten bei Carriern und Airlines ist also selbst für Speditionen kompliziert. Statt es den eigenen Kunden, den Verladern, aber einfacher und transparenter zu machen, geben sie ihre Einkaufskonditionen mehr oder weniger ungefiltert weiter. Auf den Angeboten, die sie den Frachtzahlern geben, listen sie dazu auch noch ihre eigenen Kostenpunkte auf. Für die Kunden entstehen so meist sehr unverständliche und intransparente Offerten. Es ist für sie praktisch unmöglich konkrete Frachtkosten zu berechnen und zu vergleichen, um sich auf einer korrekten Grundlage für einen Logistikpartner zu entscheiden.

Variable Angebotspositionen machen konkretes Berechnen und Vergleichen von Transportkosten unmöglich

Zusätzlich weisen Logistikdienstleister in ihren Angeboten auch Kosten wie z.B. Demurrage und Detention aus. Dies sind Strafgelder, die zu zahlen sind, wenn Container nicht rechtzeitig aus dem Hafen abgeholt werden. Im Stückgutbereich heißt dies zusammengefasst lagergeldfreie Zeit. Häufig gibt es auch Diesel-Floater, also prozentualen Werte auf die Abholungs- und Zustellkosten. Dazu kommen noch durchlaufende Posten wie z.B. Zoll und Steuern. Das Ganze wird erschwert durch unterschiedliche Währungen und Wechselkurse.

Es bleibt also dabei: Aus den Angeboten von Speditionen können Unternehmen selten selbständig und schon gar nicht effizient Transportkosten berechnen und vergleichen.

Moderne Speditionen machen es besser

Einige Speditionen versuchen in jüngster Zeit ihren Kunden online transparenter zu machen, welche Kostenbestandteile es bei einem Transport gibt und weshalb diese sich auch monatlich ändern können. Das sind Angebote digitaler Speditionen oder Online-Optionen klassischer Speditionen. Diese digitalen Angebote tragen zu höherem Vertrauen bei, sorgen für nachvollziehbare Angebote und vereinfachen es Frachtkosten zu berechnen und zu vergleichen.

Für Versender ist dennoch zu beachten, dass sie sich nicht auf die Berechnung der Transportkosten einzelner Speditionen verlassen sollten, sondern am besten immer mehrere Vergleichsangebote einholen, da die Preise sehr stark schwanken können.

Neutral Frachtkosten bzw. Transportkosten berechnen und vergleichen für Verlader weiter unerlässlich

Ein elementares Verständnis für die Einkaufskonditionen der Speditionen ist für Verlader sicherlich sehr hilfreich, um Angebote zu verstehen und qualifizierte Entscheidungen treffen zu können. Die komplizierten Offerten im Detail zu verstehen sollten sich die Unternehmen aber nicht mehr zumuten, denn mittlerweile gibt es gute Alternativen.

Mit Webanwendung können Unternehmen sich standardisierte Transportangebote von allen Logistikpartnern ihrer Wahl einholen und diese vergleichen. Speditionen können dabei nach wie vor ihre komplizieren Angebotsstrukturen abgeben, ohne dass dies nachteilig für Verlader ist. Denn diese Webanwendungen vereinheitlichen die Berechnungsgrundlagen, rechnen Währungen um, und berechnen und vergleichen automatisch sämtliche Transportkosten, basierend auf den Angeboten aller Logistikdienstleister. Einfacher und effizienter kann man heute keine Frachtkosten berechnen, vergleichen, und sich neutralen Marktüberblick verschaffen.